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Wo ist Super Mario World? Sind Spinnenfäden für Spidermans Stunts durch Manhattans Häuserschluchten stabil genug? Und wie laut sind eigentlich die Raumschlachten in Star Wars? Mit diesen und vielen weiteren Fragen aus der Welt der Popkultur wird Physik zur „Langen Nacht der Wissenschaften“ in der Ernst-Abbe-Hochschule Jena spannend und unterhaltsam erklärt. Wir sprachen mit Dr. Henry Holland-Moritz live aus der Höhle Batmans…

Bildnachweis (c) copyright: Henry Holland-Moritz

Sind Sie selbst ein großer Comicfan?

Ja, auf jeden Fall! Mein absoluten Favoriten sind Scott Pilgrim und Akira. Ich lese eher selten die klassischen Sachen von Marvel, sondern eher Comics wie Hellboy, Usagi Yojimbo oder Watchmen. Und ich stöbere natürlich unheimlich gern in Comicbuchläden.

Welche Eigenschaften der Superhelden faszinieren Sie als Physiker?

Ich finde es sehr cool, dass viele Superhelden Fähigkeiten besitzen, die wir Physiker nur mit sehr viel Aufwand und mit ziemlich großen Apparaten nachstellen können. Magneto bspw. lässt extrem hohe und perfekt für seine Zwecke geformte Magnetfelder entstehen. Dazu benötigen wir heute noch sehr große und extrem abgekühlte supraleitende Spulen, wie z.B. in den Tokamak-Forschungsreaktoren. Oder Dr. Manhattan von den Watchmen verändert die Wellenfunktionen aller seiner Atome, um sich sofort von einem Ort zum anderen zu teleportieren. Das Tolle ist, dass viele der Dinge, die Superhelden können, theoretisch auch möglich wären.

In welchen Bereichen schafft die Physik es jetzt schon, jedem von uns Superkräfte zu verleihen?

Erstmal haben wir Menschen schon ziemlich viele Superkräfte, die Physik nutzen, wir sind uns dessen meistens nur nicht bewusst. All unsere Sinne nutzen in irgendeiner Form Physik. Unsere Augen z.B. nutzen sehr geschickt Optik zur Abbildung und Quantenmechanik in den Photorezeptoren der Netzhaut. Die Evolution hat die Tiere und auch uns Menschen zu sehr speziellen Superhelden gemacht.
Wenn es darum geht, wie die Physik uns heute hilft, noch bessere Superkräfte zu bekommen, könnte man z.B. moderne Mikroskope nennen, die unsere Augen verbessern und uns sogar Atome sehen lassen. Moderne bildgebende Verfahren in der Medizin geben uns den berühmten "Röntgenblick". Oder mit mechanischen Exoskeletten können Menschen fast so stark wie der Hulk werden. Die Liste ließe sich noch beliebig fortsetzen, da es heute unglaublich viele technische Möglichkeiten gibt, die unsere Fähigkeiten in irgendeiner Form verbessern.

Muss die Physik manchmal auch über die Grenzen des Vorstellbaren hinaus gehen?

Der Großteil der Physik, den wir in der Schule kennenlernen, basiert auf intuitiven Vorstellungen und Modellen. Es wird versucht, Phänomene mit Hilfe von alltäglichen Dingen zu beschreiben. Zum Beispiel kann man sich einen Stromkreis wie einen mehr oder weniger verzweigten Wasserkreislauf vorstellen. Von fließenden Wasser kann sich jeder ein Bild machen und diese Vorstellung einfach auf Strom übertragen. Dieses einfache Modell reicht schon aus, um viele Dinge zum Thema Strom zu verstehen. Diese intuitiven Bilder reichen aber nicht mehr aus, wenn Dinge richtig klein werden. Atome und deren Bestandteile verhalten sich überhaupt nicht mehr wie die Objekte, die wir aus dem Alltag kennen. Das war auch für die Physiker, die das entdeckt haben, erstmal unvorstellbar. Einstein hat z.B. einige grundlegende Ideen der Quantenmechanik zeitlebens abgelehnt, weil er sich das einfach nicht vorstellen konnte. Aber alle Experimente haben gezeigt, dass die Welt im ganz Kleinen sich einfach furchtbar "abgefahren" verhält. Wie das anschaulich aussieht, kann sich keiner vorstellen. Wir können nur beschreiben, wie es ist, aber anschauliche Modelle gibt es ab einem bestimmten Punkt leider nicht mehr. Lange Rede, kurzer Sinn: ja, Physik muss leider ab einem bestimmten Punkt über das Vorstellbare hinaus gehen, um neue Erkenntnisse zu gewinnen.

Für welchen Superhelden oder Schurken könnte die EAH oder ihr Institut als Zentrale dienen?

Da mein Büro und Fachbereich in Hanglage etwas im Keller liegen, würde sich Batmans Bat-Höhle anbieten. Bruce Wayne samt Batmobil im Fachbereich Grundlagenwissenschaften wären definitiv eine Bereicherung. Kollegen, die die Raumzeit und einzelne Atome verändern können, sind auch nie verkehrt. Deshalb könnte ich mir neben Batman zur wissenschaftlichen Unterstützung Dr. Manhattan vorstellen, der ebenfalls Physiker ist. Und da die EAH einen so schön kompakten Campus mit den verschiedenen Fachbereichen hat, wären auch die Avengers gut aufgehoben. Tony Stark könnte zusammen mit dem Fachbereich Maschinenbau an neuen Iron Man-Suits tüfteln oder Bruce Banner zusammen mit SciTec oder Medizintechnik/Biotechnologie an neuen Technologien forschen. Möglichkeiten gibt es viele, den Avengers würde auf jeden Fall nicht langweilig.

Weitere Details zur Veranstaltung finden Sie in unserem Programm.

Tickets gibt es in der Jena Tourist-Information und online unter www.jena.de/tickets.
#LNDWJena
Lange Nacht der Wissenschaften 2019 wird gefördert und unterstützt durch: