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Stadtzentrum
2045

Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte

Ort: Villa, Seminarraum V14 , Kahlaische Straße 10

Dr. Johann-Mattis List: Sprachen als Schlüssel zur Vergangenheit

Mattis List, Forschungsgruppenleiter am MPI für Menschheitsgeschichte gibt einen Einblick in die historische, vergleichende Linguistik und zeigt, wie diese Disziplin neue Einblicke in die Geschichte des menschlichen Denkens und Handelns eröffnet.

Die menschliche Sprache ist faszinierend. Wie kaum ein anderes Kommunikationssystem erlaubt sie uns Menschen, unsere Gedanken auf äußerst präzise Art miteinander auszutauschen und unserem Gegenüber mitzuteilen, was wir denken. Doch Sprachen sind weit mehr als bloße Mittel zum Zweck der Kommunikation. Sprachen sind historisch gewachsene Systeme, in denen sich kulturspezifische und kulturübergreifende Strukturen widerspiegeln können. Der Vergleich von Sprachen hilft uns dabei, diese Strukturen gezielt zu suchen, unsere Entdeckungen zu systematisieren, und somit letztendlich zu erfahren, wie sich unsere Sprachen im Laufe der letzten Jahrtausende entwickelt haben. Während Forscher diese Studien in der Vergangenheit meist manuell und in akribischer Kleinarbeit ausführten, wird heutzutage vermehrt auf quantitative Methoden zurückgegriffen, die ursprünglich für die Evolutionsbiologie entwickelt wurden, und es Forschern gestatten, große Datenmengen automatisch zu analysieren. Ob automatisch oder manuell: Der historische Sprachvergleich bietet faszinierende Einblicke in die Geschichte menschlichen Denkens und Handelns.

Zur Person

Johann-Mattis List begann seine wissenschaftliche Laufbahn als Student an der Humboldt- und der Freien Universität Berlin, wo er Chinesisch, Russisch, und vergleichende Sprachwissenschaft studierte. Während seiner Promotion an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf begann er in Zusammenarbeit mit Bioinformatikern computergestützte Verfahren zum automatischen

historischen Sprachvergleich zu erforschen und entwickeln. Diese interdisziplinären Studien setzte er als Postdoc in Paris fort, wo er in Zusammenarbeit mit Sinologen und Biologen die Geschichte der chinesischen Dialekte erforschte. Seit Anfang 2017 ist er leitender Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte (Jena), wo er eine Forschungsgruppe zum computergestützten Sprachvergleich leitet, deren Ziel es ist, neue Erkenntnisse über die Entwicklung der sinotibetischen Sprachen zu erlangen.

In den Medien

„Linguistik, warum wir so viele Sprachen sprechen“. Interview für Deutschlandfunk Nova (10.09.2017): https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/linguistik-warum-wir-vielesprachen-sprechen

„Von Wörtern und Bäumen“: Monatlich erscheinender Blog zur historischen Sprachwissenschaft nach der quantitativen Wende: http://wub.hypotheses.org

„The genealogical world of phylogenetic networks“. Monatliche Blogbeiträge: http://phylonetworks.blogspot.de

Persönliche Webseite: http://lingulist.de

 

 
Bildnachweis (c) copyright: Mattis List

Tickets gibt es in der Jena Tourist-Information und online unter www.jena.de/tickets.
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