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Stadtzentrum
1800

FSU: Institut für Musikwissenschaft Weimar-Jena

Ort: Abbe-Campus, Seminarraum 206 , Carl-Zeiß-Straße 3

Zettel, die die Welt bedeuten!

Die Weimarer Theaterzettel aller Aufführungen vom Hoftheater bis zum Deutschen Nationaltheater (1754–1990, auch mit Stadttheater Jena) .

Wohl jeder Theaterbesucher nimmt als Andenken an einen erlebnisreichen Aufenthalt im Theater den A5-Zettel mit nach Hause, der ihn auf zwei Seiten darüber informiert hat, wer auf und hinter der Bühne zu dieser Aufführung beigetragen hat (wie der Vorspann zu einem Film). Doch was passiert mit diesem nur für diese Vorstellung gedruckten Stück Papier zu einem Schauspiel, einer Oper, Operette oder einem Musical, einem Ballett oder einem Kammer- oder Symphoniekonzert im Theater selbst? Wenn sich die Archivare des Hauses ganz sicher über die kulturhistorische Bedeutung ihrer Bühne sind – wie in Weimar schon seit 265 Jahren –, dann heben sie diese vielen Zettel über ihre „Bretter, die die Welt bedeuten“ (Friedrich Schiller) sorgfältig für die Nachwelt auf. Denn sie sind für uns heute der einzige Beleg nicht nur über alle Akteure jeder Theatervorstellung, sondern auch über alle darin gespielten Werke, ihre Dichter, Komponisten und auch Bearbeiter. Und damit diese Quellen (wie sie der Wissenschaftler nennt) heute auch wirklich sicher untergebracht sind und von jedem Theaterinteressierten und -begeisterten nachgelesen werden können, wurden und werden sie bis heute nach und nach dem Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar übergeben. Wollte man bis 2012 als Archivbenutzer einen Gesamtüberblick über alle Theaterwerke und ihre Aufführenden haben, so hätte man sich insgesamt über 62.000 Theaterzettel in den Lesesaal bestellen müssen – und man hätte fast jeden Einwohner Weimars gebraucht, um einmal eben einen Theaterzettel abzuschreiben. Doch in unserem digitalen Internetzeitalter bieten sich in einer Online-Datenbank unendliche Möglichkeiten der Suche für allgemein Interessierte und der gezielten Recherche für Theater-, Literatur-, Musik- und Tanzwissenschaftler sowie Kulturhistoriker. Denn das Repertoire jedes Jahrhunderts, Jahrzehnts und jeder Spielzeit sagt auch immer viel über die Kulturgeschichte und -politik der jeweiligen Zeit und ihrer Theaterschaffenden aus.

Anknüpfend an frühere, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Projekte zu „Musik und Theater um 1800“, „Musik und Theater in Weimar von der Ära Hummel bis zum Ende des Hoftheaters (1819–1918)“ und „Theater und Musik in Weimar von der Gründung des Deutschen Nationaltheaters bis zur Umsetzung des Bitterfelder Programms (1919–1969)“ wurde nun auch das gesamte Repertoire der Spielzeiten 1969/70 bis zur politischen Wende 1989/90 des Deutschen Nationaltheaters (DNT) und der Staatskapelle Weimar erfasst. Dokumentiert wurden alle Sparten vom Sprechtheater über das Musiktheater und Ballett bis hin zu den öffentlichen Konzerten. Alle Daten der Theater- und Besetzungszettel (einschließlich Programmhefte) wurden wissenschaftlich aufgearbeitet, und die weitaus überwiegende Zahl der (abbildungsrechtlich freien) Dokumente mit den zugehörigen Aufführungen wird online präsentiert. Gegenwärtig werden nun sämtliche Vorstellungsberichte der Spielzeiten 1969/70–1987/88 des DNT in die entsprechenden Aufführungsdatensätze eingefügt – diese Protokolle enthalten Hinweise zu „besonderen Vorkommnissen“ und sind damit unschätzbare kulturelle Zeitzeugnisse einer DDR-Hochrangbühne. Weiterhin kommen noch Plakate des DNT sowie Bühnenbild- und Kostümentwurfszeichnungen aus Nachlässen hinzu, die dem Hauptstaatsarchiv Weimar in den letzten Jahren übergeben worden sind. Außerdem werden noch hunderte Aufführungen aller Sparten des nicht öffentlichen Weimarer Hoftheaters aus dem Nachlass Großherzog Carl Alexanders von Sachsen-Weimar-Eisenach (1818–1901, Regierungsantritt 1853) und dem Hofmarschallamt aufgearbeitet und online präsentiert. Damit wird, mit Projektabschluss 2021, ein im deutschen Sprachraum einzigartig vollständig erhaltener, historischer Theaterquellenbestand sowohl der weltweiten Forschung als auch einer breiteren Öffentlichkeit zu Recherchezwecken aller Art kostenfrei zur Verfügung stehen.

Die Weimarer Theaterzettel aller Aufführungen vom Hoftheater bis zum Deutschen Nationaltheater (1754-1990, auch mit Stadttheater Jena) als Online-Datenbank unter:

www.theaterzettel-weimar.de

Hinweis:

Präsentation um 18.30 Uhr und 20.00 Uhr

Beschränkung:

für Kinder ab 6 Jahren geeignet
 
Bildnachweis (c) copyright: Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar, Nachlass Moritz Schmidt, Nr. 135, Bl. 1r
(Alfred Oskar) Moritz Schmidt (geb. 1910 in Weimar – 1945 vermisst, 1935–44 Bühnenbildner am Deutschen Nationaltheater Weimar, 1937–44 Lehrer für Bühnenbildnerei an der Staatlichen Hochschule für Baukunst, bildende Kunst und Handwerk Weimar): Bühnenbildentwurfszeichnung zur Oper Aida von Giuseppe Verdi (für die Aufführungen vom 18. Sept. 1938 – 28. Mai 1944).

Zettel, die die Welt bedeuten!

Tickets gibt es in der Jena Tourist-Information und online unter www.jena.de/tickets.
 

Aktueller Hinweis


Aktuell können keine Online-Tickets mehr verkauft werden.

Sie können aber an der Abendkasse bei folgenden Stellen ein Ticket erwerben:

Die Jena Tourist-Information hat dafür extra bis 22:00 Uhr geöffnet. Ab 16:00 Uhr werden die Tickets zum Abendkassenpreis verkauft. Sichern Sie sich also rechtzeitig Ihre Tickets!

Zusätzliche Abendkassen wird es am Veranstaltungsabend (22. November 2019) von 18:00 bis 22:00 Uhr an folgenden Standorten geben:

- Beutenberg Campus (Abbe-Zentrum)
- EAH – Ernst-Abbe-Hochschule Jena (Haus 2, Haupteingang)
- Universitätsklinikum (Lobeda, Haupteingang)
- FSU-Campus (Ernst-Abbe-Platz)
#LNDWJena
Lange Nacht der Wissenschaften 2019 wird gefördert und unterstützt durch: