Während Pflanzen schon lange als Hauptquelle für Arzneistoffe gelten, entpuppten sich auch Insekten als überraschende Meister der Naturstoffchemie. Ebenso wie Pflanzen synthetisieren sie komplexe Moleküle, die neue Wege in der Arzneimittelherstellung eröffnen könnten – von der Schmerztherapie bis hin zur Bekämpfung von Infektionen und Krebs.
In der Abteilung Naturstoffbiosynthese am Max-Planck-Institut für chemische Ökologie erforschen wir, wie verschiedene Pflanzen und Insekten solche bioaktiven Verbindungen herstellen. Dabei steht nicht die Wirkung der Substanzen im Fokus, sondern vor allem die Frage: Wie entstehen diese Moleküle?
Zu unseren Forschungsobjekten zählt die Iboga-Pflanze aus Afrika, die das Alkaloid Ibogain produziert – ein Molekül mit vielversprechenden Eigenschaften in der Therapie von Suchtverhalten. Die Blätter des Madagaskar-Immergrüns bilden die Wirkstoffe Vinblastin und Vincristin, die entscheidend in der Krebstherapie eingesetzt werden. Und der Brechnussbaum produziert Strychnin, eines der komplexesten natürlichen Moleküle überhaupt.
Aber auch Insekten sind wahre Chemie-Genies. Hier ein paar Beispiele: Minzblattkäfer speichern und synthetisieren Herzglykoside, die z.B. bei chronischer Herzinsuffizienz eingesetzt werden können. Ölkäfer bilden einen sehr giftigen Stoff, das Cantharidin, welches zur äußerlichen Behandlung von Warzen verwendet wird.
Die Abteilung Naturstoffbiosynthese am Max-Planck-Institut für chemische Ökologie erforscht die enzymatischen Bausteine der Naturstoffchemie. Die Moleküle sind oft hochkomplex und ihre Synthese erfordert eine präzise Abfolge enzymatischer Schritte – wie ein perfekt synchronisiertes Orchester.
Wir laden Sie ein, mehr über diese faszinierenden Naturstoffe zu erfahren. Und Sie können selbst experimentieren: Mit einer Art „Chemie-Lego” aus Bausteinen und Verbindungen können Sie die faszinierenden Wirkstoffe aus Pflanzen und Insekten im 3D-Modell nachbauen. Vielleicht entdecken Sie dann auch, was uns immer wieder beeindruckt: Pflanzen und Insekten sind erstaunliche Chemiker.