Das 2025 gegründete Jenaer Zentrum für Romantikforschung verstetigt eine jahrzehntelang erfolgreiche Forschungstradition am historischen Ort der Frühromantik. Die Arbeit des Zentrums konzentriert sich dabei nicht nur auf die kulturhistorische Phase des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts, sondern will auch zeigen, inwiefern Ideen und Praktiken dieser Zeit in der modernen Welt fortgewirkt haben.
Dieser Anspruch setzt sich in Forschungsprojekten, in der Kooperation mit außeruniversitären Institutionen und in der Lehre um. Den Beweis hierfür treten im Rahmen der Langen Nacht der Wissenschaften Studierende der Germanistischen Literaturwissenschaft an. Sie laden zu einer inszenierten Podiumsdiskussion ein, die unterschiedliche Perspektiven auf die "romantische Liebe" in einen ebenso erkenntnisfördernden wie ironischen Dialog bringt.
Im Griesbachschen Gartenhaus - also an einer historischen Stätte des romantischen Jenas - treten auf: der Dichter Clemens Brentano und die Schriftstellerin Sophie Mereau. Beide glauben an die Liebe und ringen um ihre Beziehung. Sie haben den berühmten Roman "Lucinde" ihres Kollegen Friedrich Schlegel gelesen und versprechen sich viel von der Liebe. Sie wollen eine poetische Existenz führen, sich selbst, ein einzigartiges Gegenstück und auch noch den Sinn der Welt finden.
Diese Idee von der alles verbindenden Liebe hat so mächtig gewirkt, dass sie noch unsere heutige Lebenswelt prägt: in Teenager-Träumen, in Paarbeziehungen und in der Popkultur. Aber: Die romantische Liebe wird inzwischen auch abgelehnt und analysiert: als Ersatzreligion, als Werkzeug kapitalistischer Marktlogik, als patriarchales Unterdrückungsinstrument. Daher geben wir auf dem Podium nicht nur den historischen Figuren eine Stimme, sondern auch der gegenwärtigen Soziologie und Literatur und verschränken auf diese Weise verschiedene Zeiten und Sichtweisen.
Das Publikum kann sich den Gedanken zur "romantischen Liebe" am 20. November in zwei Veranstaltungsrunden zuwenden. Eine vorherige Anmeldung ist erforderlich, da die Anzahl der Plätze begrenzt ist.